Problemlösung
Schraube dreht durch im Holz
Wenn das Loch selbst keinen Halt mehr bietet, hilft kein neuer Bit — dafür aber ein paar einfache Reparaturtricks.
Die Schraube dreht sich zwar weiter, zieht sich aber nicht mehr fest, sondern läuft im Holz sozusagen leer durch. Anders als beim durchrutschenden Bit im Schraubenkopf liegt die Ursache hier nicht am Werkzeug, sondern am Material selbst: Das Schraubenloch ist ausgeleiert und bietet dem Gewinde keinen ausreichenden Halt mehr. Das passiert besonders häufig, wenn eine Schraube mehrfach ein- und ausgedreht wurde, das Holz weich oder faserig ist, oder ein zu hohes Drehmoment das Material zu Beginn bereits leicht ausgerissen hat.
Erst die Ursache verstehen
Ein ausgeleiertes Loch entsteht meist schleichend: Jedes erneute Eindrehen einer Schraube reißt minimal mehr Fasern aus dem umgebenden Holz, bis irgendwann keine ausreichende Klemmkraft mehr aufgebaut werden kann. Besonders anfällig sind Spanplatten und MDF, da sie aus verpressten Holzspänen statt durchgehenden Fasern bestehen. Ein zu hohes Drehmoment beim ersten Eindrehen oder eine zu dick gewählte Schraube für dünnes Material können den Effekt zusätzlich beschleunigen.
Erste Hilfe: Zahnstocher oder Holzspäne als schnelle Lösung
Für eine schnelle, meist überraschend stabile Reparatur füllen Sie das ausgeleierte Loch mit ein bis zwei Zahnstochern oder dünnen Holzspänen, die zuvor leicht mit Holzleim benetzt wurden. Brechen Sie die überstehenden Enden ab, sobald der Leim angezogen hat, und drehen Sie die Schraube anschließend erneut ein — das zusätzliche Holzmaterial gibt dem Gewinde wieder ausreichend Halt. Lassen Sie den Leim vor dem erneuten Verschrauben vollständig aushärten, da frischer Leim selbst noch keinen Halt bietet.
Stabilere Lösung: Holzdübel setzen
Bei deutlich vergrößerten Löchern oder dauerhaft belasteten Verbindungen, etwa an Möbeln oder Regalböden, ist ein passender Holzdübel die zuverlässigere Wahl. Bohren Sie das ausgeleierte Loch dazu sauber auf einen einheitlichen Durchmesser auf, setzen Sie einen mit Holzleim bestrichenen Dübel ein und lassen Sie ihn vollständig aushärten. Nach dem Trocknen bohren Sie ein neues, passendes Vorbohrloch in den Dübel und drehen die Schraube wie gewohnt ein. Grundlagen zu Dübeln und passenden Bohrergrößen erklärt unser Ratgeber Dübel setzen und bohren: Die Basics.
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Preis auf Amazon prüfenAlternative: Etwas dickere oder längere Schraube
Bei nur leicht ausgeleierten Löchern kann bereits eine minimal dickere oder etwas längere Schraube ausreichen, um wieder ausreichend unbeschädigtes Material zu erreichen. Prüfen Sie dabei, ob die umliegende Konstruktion genug Platz und Materialstärke für die größere Schraube bietet, bevor Sie es damit versuchen — sonst verlagert sich das Problem nur an eine andere Stelle.
Spezial-Reparaturmasse für größere oder ausgerissene Löcher
Ist ein Loch bereits stark ausgerissen oder unregelmäßig geformt, bieten Baumärkte spezielle Holzreparaturmasse oder Zwei-Komponenten-Spachtel an, die nach dem Aushärten erneut verschraubt werden können. Diese Lösung eignet sich vor allem, wenn kein passender Dübel zur Hand ist oder die Lochform für einen runden Dübel ungünstig ist.
Vorbeugen: So leiert das Loch gar nicht erst aus
Nutzen Sie beim ersten Eindrehen eine angemessene Drehmomentstufe statt der vollen Kraft, bohren Sie bei härteren Hölzern oder dickeren Schrauben vor, und vermeiden Sie es, dieselbe Schraube unnötig oft ein- und auszudrehen. Bei Möbelmontagen mit vorgestanzten Löchern in Spanplatten lohnt sich zusätzlich Zurückhaltung beim Drehmoment, da diese Platten besonders empfindlich auf wiederholtes Verschrauben reagieren. Weitere Grundlagen für einen schadensfreien Möbelaufbau finden Sie in unserem Ratgeber Möbel aufbauen: Die Grundlagen.
Spanplatte, MDF und Massivholz reagieren unterschiedlich
Wie schnell ein Loch ausleiert, hängt stark vom Material ab. Spanplatten und MDF bestehen aus verpressten Spänen oder Fasern ohne durchgehende Faserrichtung, weshalb sie bei mehrfacher Belastung derselben Stelle deutlich schneller nachgeben als gewachsenes Massivholz mit seinen langen, zusammenhängenden Fasern. Speziell für Spanplatten entwickelte Schrauben mit einem gröberen, aggressiveren Gewindeprofil greifen in diesem Material besser als gewöhnliche Holzschrauben und reduzieren das Risiko eines ausgeleierten Lochs von vornherein. Bei stark beanspruchten Verbindungen in Spanplatten, etwa bei Möbelscharnieren, lohnt sich der Griff zu diesen speziellen Schrauben schon beim ersten Zusammenbau.
Bei Massivholz wiederum kann zu grobes oder zu schnelles Eindrehen ohne Vorbohren die Fasern rund um das Loch aufreißen, statt sie sauber zu verdrängen — auch das begünstigt späteres Ausleiern. Ein passend dimensioniertes Vorbohrloch, das etwas schmaler ist als der Schraubenkerndurchmesser, gibt dem Gewinde intaktes Material zum Greifen und verlängert die Haltbarkeit der Verbindung erheblich.
Wenn der Schraubenkopf zusätzlich beschädigt ist
Manchmal tritt ein ausgeleiertes Loch gemeinsam mit einem bereits rundgedrehten Schraubenkopf auf, etwa wenn beim erfolglosen Eindrehversuch zusätzlich Kraft auf den Bit ausgeübt wurde. In diesem Fall lösen Sie zunächst die Schraube mit den Techniken aus unserem Ratgeber Schraube mit rundem Kopf lösen und reparieren anschließend das Loch wie hier beschrieben.